• Karin Zeger

»Meine Saue müsset lache«

Zeitzeuge | Adolf Rümmele erzählt


Aalessen am Steinhuder Meer, der Seniorchef als »Umsatztreiber«, ein Cowboy in der Transportabteilung

und die »Alkohol-Prüfung« im Büro: Wenn Adolf Rümmele von seiner Zeit in der Majolika berichtet, wird die Geschichte lebendig und Freude blitzt durch.


Adolf Rümmele, Jahrgang 1936 und vielen Schrambergern auch als Mitbegründer des Seniorenkreises 60+ bekannt, war mehr als 20 Jahre lang in der Majolika tätig. Am 1. September 1951 startete er seine Lehrzeit als Industriekaufmann – übrigens am selben Tag, als auch Julie Broghammer, die spätere Frau von Peter Meyer, ihren ersten Tag im Unternehmen hatte.

Mit routiniertem Griff dreht Adolf Rümmele den der Gipsform entnommenen Rohling um und schaut nach der Produktionsnummer. Davon hat es Hunderte gegeben – und er hatte sie alle im Kopf. Foto: Zeger
»Die Produkte der Schramberger Majolika haben damals alle anderen ausgestochen.«

Moritz und Peter Meyer seien das perfekte Team gewesen: Der Ältere: ein kühler Rechner und »Umsatztreiber«; der Junior: ein kreativer Kopf mit dem Händchen für Dekore und Kundenwünsche.

»Das ging sogar so weit, dass die Fachjournalisten auf der Hannover Messe nicht mit Philip Rosenthal (1916 bis 2001),sondern Peter Meyer ein Interview wollten.«

Hier ein kleiner Teil der Erinnerungen von Adolf Rümmele:


Adolf Rümmele und Peter Meyer: War die Arbeit auf der Hannover Messe getan, lud der Chef sein Team zum legendären Aalessen ein. Foto: Rümmele
»Nach einem Messetag in Hannover wurde ich vom Junior-Chef beauftragt, noch zwei Eintrittskarten für die Oper zu besorgen. Allerdings war die Vorstellung ausverkauft. Was tun? Ich nahm aus einer älteren Kollektion eine schlanke Bodenvase unter den Arm und marschierte mit ihr quer durch die Innenstadt zur Kartenverkaufsstelle. Das Fräulein am Ticketstand verstand sofort und wir tauschten Vase gegen Tickets.«
»In der Transportabteilung arbeitete ein junger Bursche, der Cowboys imitierte. Während der Arbeitszeit trug er einen schwarzen Cowboyhut, an Feiertagen war seine komplette Cowboy-Ausstattung weiß. So absolvierte er auch im Garten Schießübungen – ohne Munition, dafür rief er umso lauter: ›Zieh‹. Auf seinem Transportfahrzeug in der SMF pfiff er nordamerikanische Melodien und Kollegen nannte er ›Greenhorn‹ oder er zischte ›verschwinde, alte Krähe‹.«
»Der Zentraleinkäufer der deutschen Sparkasse, für die die SMF jahrelang Sparschweine anfertigte, glasierte und ein Gesicht aufmalte, ließ sich bei einer Betriebsbesichtigung auch die Malerei zeigen, wo gerade seine Sparschweine bemalt wurden. Er rief laut in den Saal: ›Wer molt meine Saue? Hier habt ihr 100 Mark, macht weiter so. Und nicht vergessen: meine Saue müsset lache.‹«
»Ein Norddeutscher Großhändler nahm seine neuen Lieferanten erst dann in seine Liste auf, wenn diese die ›Alkohol-Prüfung‹ bestanden hatten. Dafür wurde im Büro Hochprozentiges ausgeschenkt – auch dem SMF-Vertreter. Der pfiffige Hanseate bewahrte aber einen kühlen Kopf, weil er mit dem Schnaps heimlich die Büropflanzen goss.«
»Sehr genau nahm es der in den USA lebende Teilhaber, Leopold Meyer, wenn er sich Majolika-Geschirr einfliegen ließ. Jahrelang war dies das Dekor Marlene. Erzählte die Streublümchen auf den Teilen und meldete: ›Auf dem 19er-Teller diesmal 28 Blümchen, letzte Lieferung 23 Blümchen‹.«
»Als Jugendlicher führte der Betriebsausflug in die Schweiz. Nachdem wir auf der Rückfahrt die Zollkontrollen gut überstanden hatten, fragten wir unseren Kollegen aus der Malerei: ›Was hast du denn da in der Tasche?‹ Es waren mehr als zehn Tafeln Schweizer Schokolade, alle angeknabbert. Er hatte gehört, dass Schokolade zu verzollen ist, angebrochene Tafeln aber nicht.«

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